Die fünf Säulen der AML-Compliance verstehen
Ein Überblick über die Grundpfeiler der Geldwäsche-Bekämpfung: Risikoanalyse, KYC-Verfahren, Transaction Monitoring, Meldepflichten und interne Kontrollen.
Warum AML-Compliance nicht verhandelbar ist
AML-Compliance ist nicht optional — es’s eine rechtliche Verpflichtung für jeden, der mit Finanztransaktionen arbeitet. In Deutschland und der EU werden die Anforderungen jedes Jahr strenger. Für Buchhalter und Accountants bedeutet das: Sie müssen verstehen, wie diese fünf Säulen zusammenspielen.
Die gute Nachricht? Sie müssen kein Compliance-Experte sein. Sie müssen nur die Grundlagen kennen und wissen, wie Sie Ihre Clients unterstützen. Das beginnt damit, die Architektur von AML zu verstehen — welche Teile zusammenhängen und wo Ihre Verantwortung beginnt.
Die fünf Säulen im Detail
Jede Säule erfüllt eine spezifische Funktion im Gesamtsystem
Risikoanalyse (Customer Risk Assessment)
Bevor Sie mit einem Client arbeiten, müssen Sie sein Risikoprofil bewerten. Das ist nicht paranoid — es’s praktisch. Sind sie ein Einzelunternehmer oder eine GmbH? Aus welcher Branche? Woher kommt das Geld? Diese Fragen bestimmen, wie intensiv Sie hinschauen müssen.
Die Risikoanalyse ist Ihre erste Verteidigungslinie. Sie identifiziert, welche Clients näher untersucht werden müssen und welche Standard-Kontrollen ausreichen. Ohne Risikoanalyse arbeiten Sie blind.
KYC-Verfahren (Know Your Customer)
KYC bedeutet: Sie müssen Ihren Client wirklich kennen. Name und Adresse reichen nicht aus. Sie brauchen Identitätsnachweis (Personalausweis, Reisepass), Wohnsitznachweis (Stromrechnung, Mietvertrag) und Information über die wirtschaftliche Tätigkeit.
Das ist zeitaufwendig, aber es’s der Schlüssel. KYC schafft eine Dokumentationsspur, auf die Sie zurückgreifen können. Falls später Fragen auftauchen, können Sie nachweisen: Wir haben gründlich überprüft, was wir wussten.
Transaction Monitoring (Transaktionsüberwachung)
Sie müssen die Geschäftstätigkeit Ihrer Clients laufend überwachen. Das bedeutet: Schauen Sie sich die Transaktionen an. Stimmen sie mit der angegebenen Geschäftstätigkeit überein? Gibt es plötzliche Sprünge? Ungewöhnliche Muster?
Transaction Monitoring ist nicht paranoid — es’s praktisch. Ein Handwerker, der normalerweise 15.000 Euro pro Monat umsetzt, macht plötzlich 150.000 Euro? Das ist ein Signal. Nicht automatisch verdächtig, aber es erfordert Aufmerksamkeit und möglicherweise Rückfragen.
Meldepflichten (Suspicious Activity Reporting)
Wenn Sie verdächtige Aktivitäten erkennen, müssen Sie das melden. Das geschieht in Deutschland über die FIU (Financial Intelligence Unit) bei der Zollkriminalamt. Die Meldung muss innerhalb von 10 Tagen erfolgen.
Das ist nicht optional und auch nicht verhandelbar. Nicht melden bedeutet: Sie brechen das Geldwäschegesetz. Die Strafen sind erheblich — Geldstrafen bis 5 Millionen Euro für Unternehmen sind möglich. Plus: Ihr Ruf leidet massiv.
Interne Kontrollen (Internal Compliance Program)
Sie brauchen ein Compliance-Programm in Ihrem Unternehmen. Das ist nicht aufwendig, aber es muss dokumentiert sein. Wer ist verantwortlich? Welche Prozesse gelten? Wie schulen Sie Ihre Mitarbeiter?
Interne Kontrollen zeigen, dass Sie Ihre Aufgaben ernst nehmen. Im Fall einer Behördenkontrolle ist das entscheidend. Sie können nachweisen: Wir haben ein System, wir schulen unser Team, wir nehmen das ernst.
Praktische Umsetzung: So beginnen Sie
Schritt 1: Risikoklassifizierung
Erstellen Sie eine Risikoklassifizierung für alle neuen Clients. Nutzen Sie ein einfaches System: grün (niedriges Risiko), gelb (mittleres Risiko), rot (hohes Risiko). Das bestimmt, wie detailliert Sie KYC durchführen müssen.
Schritt 2: Dokumentation etablieren
Speichern Sie alle KYC-Dokumente digital und strukturiert. Ausweiskopie, Wohnsitznachweis, Bestätigung der wirtschaftlichen Tätigkeit — alles muss auffindbar sein. Im Idealfall ein Ordner pro Client mit Datum.
Schritt 3: Monitoring-Prozess
Setzen Sie sich monatlich hin und schauen Sie sich die Transaktionen an. Nutzen Sie dafür die Daten aus der Buchhaltung. Dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen — auch wenn alles normal ist.
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
Diese Fallen lauern für Accountants — und wie Sie sie umgehen
KYC einmal durchführen und vergessen
KYC ist nicht einmalig. Die Anforderungen verlangen regelmäßige Überprüfungen. Bei Risiko-Clients mindestens jährlich. Das bedeutet: Sie müssen updaten, wenn sich die Situation ändert.
Verdächtige Transaktionen nicht dokumentieren
Wenn etwas merkwürdig ist, schreiben Sie es auf. Ein Memo reicht. Warum? Falls später geprüft wird, können Sie zeigen: Wir haben das bemerkt und überprüft. Das ist defensiv und notwendig.
Meldepflichten verzögern oder ignorieren
10 Tage. Das ist nicht verhandelbar. Wenn Sie einen verdächtigen Fall identifizieren, melden Sie ihn. Verzögerung oder Ignorieren ist strafbar — bis zu 5 Millionen Euro.
Keine Compliance-Richtlinien dokumentieren
Ein Compliance-Programm ohne Dokumentation ist wertlos. Sie brauchen schriftliche Richtlinien. Wer ist verantwortlich? Wie schulen Sie das Team? Das muss schwarz auf weiß vorliegen.
Zusammenfassung: Die fünf Säulen sind ein System
Risikoanalyse bestimmt, wie genau Sie hinschauen müssen — sie’s Ihre erste Verteidigungslinie.
KYC schafft die Dokumentationsspur — Sie müssen Ihre Clients wirklich kennen.
Transaction Monitoring ist die laufende Überwachung — nicht paranoid, sondern praktisch.
Meldepflichten sind nicht verhandelbar — 10 Tage ist die gesetzliche Frist.
Interne Kontrollen zeigen Ihr Engagement — dokumentierte Richtlinien und Schulung sind essentiell.
Diese fünf Säulen arbeiten zusammen. Keine ist isoliert wirksam. Risikoanalyse ohne Monitoring ist unvollständig. KYC ohne Dokumentation ist vergeudet. Zusammen bilden sie ein robustes System, das Sie und Ihre Clients schützt.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient zu Informationszwecken. Er’s keine rechtliche Beratung. AML-Compliance-Anforderungen sind komplex und variieren je nach Situation. Für konkrete Fragen zu Ihrem Unternehmen oder Ihren Clients konsultieren Sie bitte einen Compliance-Spezialisten oder Rechtsanwalt. Die Anforderungen ändern sich regelmäßig — überprüfen Sie immer die aktuellen Richtlinien des Geldwäschegesetzes (GwG) und der einschlägigen Behörden.